Rolling Home der lange Weg nach Hause

Kira_2016-06-15
Kira
Ein Jahr lang haben wir uns die verschiedensten Segelboote in den Verkaufsangeboten angeschaut. Jeden Abend hat Eddy seitenweise Boote geschaut und dabei haben wir folgende Kriterien für „unser“ Boot als Voraussetzung befunden: Es soll ein Mittelcokpit haben, es soll ein Langkieler sein und große Wasser-und Dieseltanks haben. Einige Boote haben wir dann ins Auge gefasst, wir sind nach Holland gefahren, wo wir uns 3 Boote angesehen haben. Alle haben uns nicht schlecht gefallen, aber es gab doch immer etwas zu bemängeln.
Dann sind wir so gar nach Menorca geflogen und haben einen Kurzurlaub mit einer Bootsbesichtigung gekoppelt. Das Boot war uns zu teuer, aber auch nicht schlecht!
Eines Abends im Oktober 2015 auf dem Sofa vor dem Laptop sagte Eddy plötzlich: ich hab eine! Eine Hallberg-Rassy! Und bezahlbar! Nach Hallberg Rassys haben wir eigentlich nur nebenbei geguckt, viel zu teuer für uns! Die Anzeige war keine 10 Minuten im Netz, da hatte Eddy schon eine Anfrage geschrieben. Ja die Eigner wären gerade zu Hause in Deutschland und sie wohnen nur einen Katzensprung von uns entfernt. Prima, dann könnte man sich persönlich treffen und austauschen.
Die ganze Sache hatte nur einen winzigen Haken: das Boot liegt in Malaysia!?!
Ach du Schande! Weiter weg geht es kaum!
Aufgeregt führen wir trotzdem zu dem Treffen und waren danach ganz euphorisch,
Die netten Eigner machten einen ordentlichen Eindruck und versicherten, dass das Boot in einem Top Zustand sei.lediglich die Polster im Salon könnten mal erneuert werden. Ich dachte da nur, dass das Boot wirklich in einem 1 A Zustand sein muss, wenn sie sich über Polster Gedanken machen!
Es wurde beratschlagt, dass Eddy mit Ihnen mit zum Boot fliegen würde, 2 Wochen das Boot besichtigen würde, dann zurück käme und die Eigner sich auf letzte Fahrt mit ihrem Boot begeben würden. Falls wir kaufen wollten, wäre Übergabe im März 2015.
Bei dem Treffen haben wir dann noch erfahren, dass die Kira früher Solveig hieß und dem berühmten Segler Rollo Gebhard gehörte. Irgendwie ist das ja spannend!
Eddy ist also losgeflogen und hat dann das Schiff besichtigt. Es war natürlich alt und hatte einiges zu machen, aber die Eigner hatten es wirklich liebevoll gepflegt und in Ordnung gehalten. Auch die Ausstattung war schon sehr besonders. Allerdings sind viele technische Sachen zu erneuern und Wassereinbruch ist auch permanent vorhanden.
Doch Eddy hatte sich schon schnell in das Boot verliebt(ich glaube schon den 1.Abend auf dem Sofa) und da er ja handwerklich einiges drauf hat, haben wir uns letztlich für die Kira von Celle (So ihr Name) entschieden.
Jetzt stellte sich die nächste Frage: Wie bekommen wir sie nach Deutschland? Ein Nachbar arbeitet bei einer Reederei, der sprach von 30- 40 tausend Euro würde der Transport per Frachter kosten, also ausgeschieden.
Nun, dann müsste das Boot eben nach Hause gesegelt werden! Schnell war mir klar, dass ich dass nicht schaffen würde. Ich wäre eine Last für Eddy gewesen, wo ich doch kaum Segelerfahrung habe und eben auch vor Piraten und Seekrankheit Angst habe! Also muss ich hier die Stellung halten, Geld verdienen und Eddy muss alleine los!  Die Eigner schieden als Begleitung aus gesundheitlichen Gründen aus, so mussten andere Begleiter gefunden werden.
Aber wozu gibt es das Netz! Über Facebook folgte der Aufruf, und auch unser Freund und Nachbar (noch nicht eine Meile gesegelt) wollte Eddy begleiten.
Ein alter Seebär meldet sich mit viel Erfahrung! Mein Favorit, da ich denke, Erfahrung kann man immer gebrauchen! Mir zum Gefallen har Eddy dann den Herren genommen und es hat sich ein weiterer Mitsegler gefunden. So sind Eddy mit unserem Freund Michael am 06. Januar 2015 ins Flugzeug gestiegen und ich war für 7 Monate Strohwitwe. Vor Ort war das Eignerehepaar und dort haben Sie mit den Einweisungen ins Boot begonnen. Das Probesegeln viel ziemlich kurz aus, aber der Eigner Detlef hat versucht alles wissenswerte zu vermitteln. Irgendwie war er gar nicht so damit einverstanden, dass wir die Kira nach Hause segeln wollten. Irgendwie war das ein bisschen seltsam. Vielleicht traute er der Kira das nicht mehr ganz zu?? Haben wir jedenfalls im Jahr darauf gedacht, als sich Kira doch beim Überholen zu einer großen Baustelle entwickelte.
Am 6.Februar sind die 4 dann tatsächlich in See gestochen, es gab zuvor noch etwas Stress mit den Voreignern, aber als diese zurück in Deutschland waren, konnten wir beim Anwalt den Kauf perfekt machen und kurzer Hand war ich Schiffsbesitzer!!!
Davon hatte ich aber leider nicht viel, außer dass ich nun keinen Mann mehr zu Hause hatte!
Die Zeit verging eigentlich wie im Fluge, sobald ich abends nach Hause kam, ging ich als erstes zu meinem I-Pad um die E-Mails abzufragen! Eddy hatte Sailmail und konnte mir so ab und an auch ohne Internet Mails senden!
Dann hat er mir immer die aktuellen Koordinaten genannt, und ich konnte genau sehen, wo sie gerade waren. So konnte man ganz gut auf dem laufenden bleiben. Eddy hatte vor, möglichst schnell nach Südafrika zu kommen, da man dort allerspätestens bis Ende April ums Kap sein muss. Sonst wird es zu gefährlich wegen zu viel Wind und zu hoher Wellen.
Also mussten sich die Männer sputen und konnten die schöne Strecke nicht so genießen wie man es vielleicht sonst getan hätte. Auf den Mallediven musste der vierte Mitsegler  die Truppe leider aus familiären Gründen verlassen, und so waren es nur noch drei.
Sie wollten gerne noch im April ums Kap der guten Hoffnung vor Südafrika. Dazu mussten sie sich ganz schön ranhalten.
Es hat hervorragend geklappt und Eddy hatte ein gutes Händchen und genug Mumm um gleich ums ganze Kap zu gehen, und nicht wie Wolfgang es wollte, zwischendurch noch in Südafrika  irgendwo einzulaufen. Schon am 08.April waren sie in Kapstadt. Ich hatte mit Michaels Freundin Mitte April einen Flug für zwei Wochen nach Kapstadt gebucht! Es war so aufregend!
Zum ersten Malkonnte ich das Schiff sehen und zum 2. war ich das 1.Mal auf der Südhalbkugel und zum 1. Mal überhaupt in Afrika! Es war der Hammer! Wir hatten unendlich tolle zwei Wochen dort! Kapstadt und Umgebung sind auf jeden Fall eine Reise wert!
Und dann die Kira! Wahnsinn! So ein großes Schiff! Und das ist jetzt unseres! Unvorstellbar!!
Dann wurde Eddy noch ernsthaft krank und wir mussten vor Ort zum Doc, der hatte aber gleich die richtigen Medikamente parat und nach insgesamt drei Tagen gings ihm wieder besser.
Nach zwei Wochen viel der Abschied unendlich schwer, am liebsten wäre ich einfach dageblieben und weiter mitgesegelt, aber ich musste ja zur Arbeit.
In Kapstadt ist auch Wolfgang  von Bord gegangen, so dass Eddy jetzt mit Michael alleine weiter musste. Es ging ca. 14Tage nach St. Helena, dort 3-4Tage Pause und dann weiter zu den Kapverden. Dort ist wieder ein dritter Mann nämlich Rolf an Bord gekommen. Ich habe weiterhin zu Hause jeden Tag hoffnungsvoll die E-Mails abgerufen, um neue Infos zu bekommen. Eddy war so lieb keine Kosten und Mühen zu scheuen, um mich mit Infos zu versorgen. Außerdem kann er unglaublich liebevoll schreiben, mir läuft jetzt noch eine Gänsehaut runter, wenn ich an die Inhalte der Mails denke!
Dann gings zu dritt zu den Azoren, dorthin bin ich wieder geflogen, diesmal mit Jenny und wieder mit Anett! Dieses Mal waren wir aber vor der Kira vor Ort, da sie wegen Flaute länger als gedacht gebraucht hatten. Aber auch die Azoren sind wundervoll und wir haben uns mit Sightseeing und Baden den Urlaub versüßt. Dann kamen sie endlich im Hafen an und wir standen als Empfangskommando bereit! Es war schon wieder aufregend, weil Eddy beim Anlegen den Rückwärtsgang nicht reinbekommen hat, aber dank Rolfs schneller Reaktion ist alles gut gegangen.
Dann haben wir noch drei schöne Tage zusammen verbracht, und dann mussten wir auch schon wieder zurück! Wieder musste ich Eddy mit der Kira zurück lassen, aber dieses Mal ja nicht mehr für so lange!
Dann kam der Tag der Tage! Schneller als gedacht!
Eddy sollte in Hamburg -Harburg einlaufen! Alle Verwandten und Bekannten (auch Rolfs und Michaels) wollten dabei sein. Eddy sagte mir, zwischen 13 und 14 Uhr kämen sie an! Also alles für die große Party eingekauft und allen für 13Uhr Bescheid gesagt! Pünktlich um 13Uhr waren mindestens 40-50 Leute versammelt und warten, dann der Anruf: sie kommen erst um 15Uhr unter der Kattwigbrücke durch, die alle zwei Stunden öffnet. Okay, macht nix, ich hab ja alles zum G rillen besorgt, um die Leute bei Laune zuhalten, gibts eben vorher was zu essen! Es war übrigens den Tag der 12. August mindestens 30 Grad im Schatten. Für alle war aber kein Platz im Schatten! Einige haben sich schon verabschiedet, wir warten weiter. Dann der Anruf, sie haben die Öffnung der Brücke um 15 Uhr um zwei Minuten verpasst! Also jetzt um 17 Uhr dort durch und ca. 17.15 erst in Harburg! Pech aber sie sind 7 Monate unterwegs! Was sind da zwei Stunden?
Viele können oder wollen nicht so lange warten! Aber viele halten mit mir durch!
Dann der große Augenblick! Die Kira mit Eddy, Michael und Rolf kommt um die Ecke und mir steigen tatsächlich die Tränen in die Augen! Es war so ein emotionaler Moment!
Eigentlich hatte ich die ganze Zeit keine Angst um Eddy, da er immer alles im Griff hat, aber als er angelegt hatte, viel mir ein riesengroßer Stein vom Herzen und da habe ich erst gemerkt, dass ich wohl doch ziemliche Angst hatte, daß etwas passieren könnte!
Im Nachherein würde ich sagen, dass mir Eddy schon sehr gefehlt hat, besonders einsam bin ich morgens, wenn ich alleine aufwache. Und ich hasse alleine zu frühstücken!. Komischer Weise finde ich einsame Abende auch schön. Aber ich rate doch jedem aus eigener Erfahrung ab, während man enthaltsam lebt, alle drei Bücher fifty shades of grey zu lesen!

But there are a my homework help few that have stayed with me over the years.